Dienstag, 14. März 2017

Interview mit Christine Spindler von 26|books


Im Romance Alliance Interview darf ich heute die Autorin, Übersetzerin und Verlegerin Christine Spindler begrüßen, die seit Mai 2014 erfolgreich ihren eigenen E-Book-Verlag, 26|books betreibt. Sie hat es sich mit ihrem Verlag zur Aufgabe gemacht, unsere Reader mit spannenden und fantasievollen Geschichten zu füllen. Tatkräftig unterstützt wird sie dabei von Tochter Natalie, die einen Teil der wunderschönen Buchcover gestaltet.



Zur Homepage von 26|books




Romance Alliance: Liebe Christine, gab es für dich den Moment, an dem du entschieden hast, einen eigenen Verlag zu gründen oder war das mehr ein langsamer Prozess?

Christine: Ja, den Moment gab es und ich erinnere mich noch ganz genau daran. Die Vorgeschichte war folgende: Ich hatte im Jahr 2013 von 16 Büchern die Rechte zurückbekommen, da die Verlage sie aus den Programmen genommen hatten. Zuerst war ich sehr traurig darüber, vor allem über den Karatehamster. Diese sechsbändige Reihe verkaufte sich noch recht gut und ich habe viele Lesungen aus den Büchern gehalten. Nun fiel das alles plötzlich weg. Das arbeitete in mir unterschwellig, und eines Morgens Anfang Mai 2014 wachte ich um 5:47 Uhr auf, war überhaupt nicht mehr müde und dachte: „Ich stehe jetzt auf, gründe einen Selfpublishing-Verlag, nenne ihn Twenty-six Books, weil 26 meine Glückszahl ist, und bringe meine vergriffenen Titel als E-Books wieder auf den Markt.“ Ich habe mir nicht allzu viel davon versprochen, aber ich wollte es ausprobieren.


Romance Alliance: Wie viel Arbeit und Nerven hat es dich gekostet, das zu realisieren?

Christine: Ich habe an besagtem Morgen noch vor dem Frühstück die Homepage des Verlags erstellt und mir überlegt, mit welchem Buch ich anfange. Meine Wahl fiel auf den zweisprachigen Roman „Love on Board – Liebe an Bord“, der bei Langenscheidt erschienen war. Ich habe ihn in den in nächsten Tagen komplett ins Deutsche übersetzt und dabei gründlich überarbeitet. Während meine Tochter das Cover gestaltet hat, habe ich mir alles an Wissen angelesen, was ich über E-Book-Publishing brauchte, und dann das Buch unter dem Pseudonym Julianne Sands mit dem neuen Titel „Take me Higher“ bei Amazon eingestellt. Ich war überrascht, wie unkompliziert und schnell es ging.

Zwei Wochen später hatte ich von dem Buch schon mehr Exemplare verkauft als der Verlag in zwei Jahren. Das hat mich echt umgehauen. Also habe ich nach und nach meine Bücher überarbeitet und  wieder zum Leben erweckt. Nicht alle liefen so gut wie das erste, aber ich hatte ja nichts zu verlieren. Auch meine neuen Manuskripte veröffentliche ich jetzt selbst, wie beispielsweise den siebten Band der Karatehamster-Reihe.




Als ich das Gefühl hatte, mich mit der Materie gut genug auszukennen, habe ich begonnen, auch Titel anderer Autoren aufzunehmen. Dafür war ein bisschen mehr Planung nötig, schließlich gibt es rechtliche und finanzielle Aspekte zu beachten.

Der Arbeitsaufwand besteht aus Lektorat, Korrektorat, Marketing und ein bisschen Büroarbeit. Da mir das alles Spaß macht, kostet es mich fast keine Nerven.

Nur einmal, da habe ich mich geärgert, und zwar als „Twenty-Six, der Self-Publishing-Verlag“ auftauchte. Die Randomhouse-Gruppe, die „Twenty-Six“ betreibt, hat nicht nur meinen Namen teilweise gemopst, sondern auch noch mein Logo abgekupfert ... oder zufällig ein sehr Ähnliches entworfen. Da ich 26|books als Marke angemeldet hatte, brauchte ich nicht zu befürchten, dass Randomhouse mir Probleme machen könnte, aber das mit dem Logo ist schon blöd. Immer wieder kommt es zu Verwechslungen, dann verweise ich die Irrläufer zur Website von „Twenty-Six“. Ob die im Gegenzug dasselbe für mich machen?

Romance Alliance: Hast du Vorerfahrung in dem Bereich beziehungsweise hattest du Hilfe von "Verlagsmenschen" oder hast du dir alles Nötige selbst angeeignet?

Christine: Ich habe als Autorin und Übersetzerin über viele Jahre hinweg eine Menge interessante Einblicke in die Verlagswelt bekommen. Die speziellen Informationen zum Thema E-Books habe ich mir auf der Website www. Selfpublisherbibel.de geholt. Dort werden wirklich alle Fragen beantwortet, auch die, auf die ich selbst gar nicht gekommen wäre.

Außerdem stand mir mein langjähriger Freund und Co-Autor Thomas Endl (mit dem ich zusammen unter dem Pseudonym Kris Benedikt schreibe) mit Rat und Tat zur Seite. Er hatte bereits zwei Jahre zuvor einen kleinen Verlag gegründet, die Edition Tingeltantel.



Und schließlich habe ich mir für meinen Autorenvertrag professionelle Hilfe von Stefan Wendel geholt, damit alles juristisch einwandfrei ist.

Romance Alliance: Wie würdest du die Philosophie hinter 26|books beschreiben?

Christine: Ich veröffentliche nur Bücher, die ich selbst gerne lese. Es ist also ein sehr persönlicher Verlag. Mein Lesegeschmack ist breit gestreut und entsprechend bunt ist das Programm. Außerdem gehört zu meiner Philosophie, dass ich besonders autorenfreundlich bin, denn ich habe als Autorin oft genug erlebt, dass Verlage mich mit unvorteilhaften Konditionen über den Tisch ziehen wollten.

Romance Alliance: Bist du aktuell auf der Suche nach neuen Autorinnen und Autoren? Welche drei Tipps kannst du Interessierten mitgeben, die eine Veröffentlichung anstreben?

Christine: Mein Programm für 2017 ist voll und auch für 2018 habe ich bereits einige Titel in Vorbereitung. Darum suche ich im Moment nicht, freue mich aber dennoch über Angebote, denn hin und wieder sind echte Überraschungen dabei.

Drei Tipps:
1. Ein richtig gutes Exposé verfassen. Eine Leseprobe allein ist nicht aussagekräftig genug.
2.  Unverlangt eingesandte Manuskripte werden von großen Verlagen oft nicht gelesen, da sie mit Einsendungen überhäuft werden. Besser ist es, bei einem Verlag anzurufen und eine Lektorin mit einem interessanten Pitch zu überzeugen. Und vorher sollte man sich schlau machen, ob das Buch, das man anbietet, ins Verlagsprogramm passt (also Genre, Stil, Thema). Bei kleinen Verlagen wie meinem ist das nicht nötig. Ich bin sehr neugierig und lese in jedes eingesandte Manuskript sofort rein.
3. Absagen nicht zu persönlich nehmen und sich nie entmutigen lassen. Ich habe fünf Jahre gebraucht, bis ich einen Verlag für meine Karatehamster-Reihe hatte, die sich – als sie endlich veröffentlicht wurde – fast 100.000 mal verkauft hat.

Romance Alliance: Wie schnell und an was erkennt man, ob ein Manuskript für den Verlag interessant ist oder nicht?

Christine: Im Gegensatz zu großen Verlagen, die klar umrissene Programmstrukturen haben, bin ich sehr frei in meinen Möglichkeiten. Darum gehe ich völlig subjektiv an ein Manuskript heran. Ich fange an zu lesen und bin entweder begeistert ... oder nicht. Jedes der Manuskripte, die mir auf den ersten Seiten schon gefallen haben, erwies sich, nachdem ich es komplett gelesen hatte, dann tatsächlich als genau richtig für meinen Verlag.

Romance Alliance: Wenn dir ein Manuskript gefällt und ihr es veröffentlichen möchtet, wie laufen die nächsten Schritte bis zur endgültigen Veröffentlichung ab?

Christine: Das läuft in etwa so:
1.    Ich schicke dem Autor meinen Vertrag – eine reine E-Book-Lizenz. Alle anderen Rechte verbleiben beim Autor.
2.    Wenn der Autor den Vertrag akzeptiert und unterschreibt, dann überlegen wir gemeinsam, wann wir das Buch veröffentlichen, welchen Titel es bekommen soll (der Arbeitstitel ist oft nicht optimal), und welchen Preis wir verlangen.
3.    Ich lektoriere das Manuskript.
4.    Der Autor überarbeitet das Manuskript.
5.    Ich lese das Manuskript und schaue, ob jetzt alles stimmig ist.
6.    Ich korrigiere das Manuskript.
7.    Der Autor liest es auch noch einmal und gibt es dann frei.
8.    Ich erstelle einen Coverentwurf. Meine Tochter, die während ihrer Ausbildung noch Zeit hatte, die Cover zu gestalten, arbeitet jetzt Vollzeit und hat mich „angelernt“.
9.    Der Autor kommentiert den Coverentwurf. Wir optimieren ihn gemeinsam – oder ich entwerfe völlig neu. Das geht ein paarmal hin und her, bis wir beide zufrieden sind. Wenn ich merke, dass mein Entwurf dem Buch nicht gerecht wird, beauftrage ich einen Grafiker.
10.    Ich erstelle das E-Book mit Jutoh und lade es auf Open Publishing hoch – von dort wird es dann an alle E-Book-Shops ausgeliefert.
11.    Der Vertrag kann nach Ablauf von zwei Jahren gekündigt werden. So hat der Autor die Möglichkeit, sich ganz unkompliziert von mir zu trennen, wenn er unzufrieden ist oder woanders bessere Chancen sieht.

Romance Alliance: Verlage setzen in Sachen Marketing gegenwärtig verstärkt auf Eigeninitiative der Autorinnen und Autoren. Wie und wo werbt ihr für eure Bücher und was können die Autoren selbst tun?

Christine: Natürlich mache ich die üblichen Dinge – Facebook, Twitter, Google+, Leserunden auf Lovelybooks, Preisaktionen. Aber das greift nicht mehr so gut wie noch vor drei Jahren, weil die Konkurrenz riesig geworden ist. Alle wollen Aufmerksamkeit.

Ich werde mir neue Wege überlegen, bin aber noch nicht weit damit gediehen. Die besten Erfahrungen habe ich mit Amazon Kindle Deals gemacht. Die kann ich nicht selbst „bestellen“, sondern muss warten, ob ich von Amazon eine Anfrage bekomme. Da freue ich mich jedes Mal sehr. Selbst ein Titel, der längst in der Versenkung verschwunden ist, kann dadurch wieder neuen Schwung bekommen. „Mond aus Glas“ hat sich nach der Veröffentlichung in drei Monaten etwa 2000 mal verkauft. Innerhalb eines Jahres sanken die Zahlen auf etwa einen Download im Monat. Dann kam der Kindle Wochendeal – und ich freute mich über 300 Downloads in wenigen Tagen.

Romance Alliance: Du bist Mutter, schreibst selbst, übersetzt, hältst Vorträge und Lesungen und betreibst einen Verlag. Das hört sich nach ziemlich viel Arbeit an und es ist sicher nicht leicht, das alles zu jonglieren. Hast du einen Geheimtipp für ein effizientes Zeitmanagement? 

Christine: Ich achte darauf, dass ich mir nicht zu viel aufbürde. Mein wichtigstes Projekt ist dieses Jahr der erste Band einer siebenteiligen Romanreihe. Darum habe ich bereits einige Übersetzungsaufträge abgesagt, die mir zu viel Zeit wegnehmen würden. „Nein sagen“ musste ich erst lernen – aber inzwischen kommt es mir recht locker über die Zunge.

Meine Zeiteinteilung ist nicht besonders effizient, sondern eher chaotisch. Ich nehme mir zwar ein tägliches Pensum vor, verteile das aber nach Belieben über den Tag (und manchmal auch in die Nacht hinein). Bei schönem Wetter gehe ich lieber spazieren als vor dem PC zu sitzen. Danach habe ich meist die besten Ideen.

Romance Alliance: Wie stellst du dir deinen Verlag in fünf oder zehn Jahren vor? Was sind deine Erwartungen für die zukünftige Entwicklung des Buchmarkts - speziell des E-Book-Markts?

Christine: 1999 erschien mein erster Roman bei einem amerikanischen Verlag – als Taschenbuch und E-Book. In Deutschland kannte man zu der Zeit E-Books noch überhaupt nicht. Ich habe damals orakelt, dass einfach nur ein tolles Lesegerät auf den Markt kommen muss, dann würden die E-Books abheben. Und so ist es gekommen, was mich sehr freut.

Im Moment jedoch tue ich mich schwer mit Vorhersagen oder Erwartungen. Es passiert so viel auf der Welt – politisch, ökonomisch, ökologisch, technisch. Da mein vorhin erwähnter Romanzyklus in der nahen Zukunft beginnt, befasse ich mich viele Stunden am Tag mit allen Aspekten der menschlichen Entwicklung. Einiges, was ich lerne, macht mir Angst, anderes fasziniert mich. Meine Recherchen vereinnahmen mich gerade völlig.

Ich lasse mich also überraschen, wie sich der Buchmarkt entwickelt. Ich kann nicht einmal sagen, ob es meinen Verlag in fünf Jahren noch geben wird. Ich neige ja zu spontanen Entschlüssen – und vielleicht habe ich eines Morgens eine neue, viel bessere Idee ... die ich dann sofort umsetzen werde.

Romance Alliance: Liebe Christine, wir danken dir für deine Zeit und deine Bereitschaft, uns Rede und Antwort zu stehen und wünschen dir und deinem Verlag, sowie deinen eigenen Buchbabys weiterhin viel Erfolg. Wir hoffen, du bleibst weiter mit Freude dabei und natürlich wünschen wir dir weiterhin viele talentierte Autoren mit wunderbaren Geschichten, die du veröffentlichen darfst.

Christine: Vielen Dank.

Dorothea Stiller hatte das Vergnügen, Christine Spindler über ein Autorenforum kennenzulernen und sie und ihr Buch "Mond aus Glas" auf ihrem persönlichen Blog vorstellen zu dürfen.

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