Dienstag, 9. Mai 2017

Interview mit Simon Rhys Beck vom DEAD SOFT Verlag



Der DEAD SOFT Verlag wurde 1999 von Simon Rhys Beck gegründet. Der Verlag veröffentlicht Gayromance, schwule Fantasy- und Science Fiction-Literatur. Die Bücher erscheinen als ebook und als print. Unter dem Label tensual publishing erscheinen auch nicht-schwule Liebesromane.


Romance Alliance: Lieber Simon, vielen Dank, dass du uns Rede und Antwort stehst. Wann entstand der Wunsch, einen eigenen Verlag zu gründen?
Simon Rhys Beck: Der Wunsch, einen eigenen Verlag zu gründen, ist entstanden, weil es für meinen Erstlingsroman, einen homoerotischen Vampirroman, keinen passenden Verlag gab. Zunächst einmal wollte ich nur meine eigenen Werke veröffentlichen, das muss so um 1998 gewesen sein. Schnell stellte sich heraus, dass es noch andere Autoren gab, die im Genre „Gay Romance“ unterwegs waren.

Romance Alliance: Warum ein Verlag für Gayliteratur? Wie hat dein Umfeld darauf reagiert?
Simon Rhys Beck: Ich habe immer nur das geschrieben, was ich selbst im Kopf hatte, ohne mich an einem bestehenden Markt zu orientieren. Daher war „Gay Literatur“ naheliegend. Und da ich gern „gay“ lese (wenn auch nicht ausschließlich), kam die Spezialisierung recht schnell und automatisch. Ich habe mir vorher nie Gedanken darüber gemacht, wie mein Umfeld auf meinen Verlag reagieren könnte. Einmal habe ich tatsächlich einen Job durch meine Verlagstätigkeit verloren. Aber seit einigen Jahren bin ich selbstständig und ich empfinde es als äußerst erfreulich, mein eigener Chef zu sein. Aus meinem privaten Umfeld habe ich bisher noch keine negativen Rückmeldungen bekommen.


Romance Alliance: Den Verlag gibt es nun schon seit ungefähr achtzehn Jahren. War es in der Anfangszeit schwer, ernst genommen zu werden? Gab es Phasen, in denen du deine Entscheidung für die Verlagsgründung bereut hast?
Simon Rhys Beck: Es gibt immer wieder kleine Krisen, die viel Energie fressen. Aber ich habe es nie bereut, den Verlag gegründet zu haben. Auch wenn ich dadurch meine Autorentätigkeit fast auf Null zurückgefahren habe. Ja, anfangs war es schwer, als „richtiger“ Verlag wahrgenommen zu werden.

Romance Alliance: Hast du all deine Ziele, die du dir 1999 gesetzt hast, erreicht? Lief es so, wie du es dir vorgestellt hast?
Simon Rhys Beck: Ich hatte mir nichts Großartiges vorgenommen, als ich den Verlag gegründet habe. Letztendlich läuft es bisher viel besser, als jemals irgendwer hätte vorhersehen können. Das habe ich auch den großartigen Autoren und Mitarbeitern zu verdanken, mit denen ich im Laufe der Zeit zusammengearbeitet habe. An dieser Stelle – ein dickes Dankeschön!            

Romance Alliance: Welche Pläne hast du für die Zukunft? Wird sich das Programm noch ausweiten?
Simon Rhys Beck: Ja, der Verlag wird weiter wachsen. Durch die Lizenztitel haben wir noch einmal unser Programm erweitern können. Ich möchte aber nach wie vor deutschsprachigen Autoren die Chance bieten, ihre Bücher auf dem Buchmarkt zu platzieren. Und zwar nicht nur im kurzlebigen E-Book-Segment, sondern immer auch im Printbereich.
Und mit unserem Imprint „tensual publishing“ haben wir seit einiger Zeit auch die Möglichkeit, (Liebes-) Romane zu veröffentlichen, die nicht im „Gay Genre“ beheimatet sind.

Romance Alliance: Was sollen Autoren beachten, wenn sie dir ein Manuskript anbieten wollen? Welche Manuskripte haben Chancen auf Veröffentlichung?
Simon Rhys Beck: Ich freue mich über ein vernünftiges Anschreiben und ein ebenso eloquentes Exposé. Auf jeden Fall sollte das Manuskript ein Happy End haben. Eine Lovestory wird – außer in unserer Krimi Edition Last Laugh – ebenfalls vorausgesetzt.
Im Augenblick sind Lovestorys, die in der Gegenwart spielen, sehr gefragt. Aber ich bin recht offen, was die Thematiken betrifft – mich muss die Geschichte abholen, die Figuren müssen mich begeistern und interessieren.                                                                                                                                      

Romance Alliance: Wie unsere Autorin Bettina Kiraly bestätigen kann, spielt in deinem Verlag der enge Kontakt mit den Autoren eine große Rolle. Es wird viel mit dem Autor abgestimmt. Wie schafft man das bei so vielen Autoren?
Simon Rhys Beck: Da ich selbst Autor bin, ist mir der Kontakt zu den Autoren sehr wichtig. Ich möchte, dass die Autoren zufrieden sind und gern bei dead soft veröffentlichen. Dazu gehört auch die Abstimmung über Veröffenlichungstermine, der enge Kontakt zu Lektoren und Mitsprache bei der Covergestaltung.

Romance Alliance: Du hast selbst schon einige Bücher veröffentlicht. Hat das deine Sicht auf die Verlagsbranche geändert?
Simon Rhys Beck: Nein, im Grunde nicht. Ich bin sehr kritisch, was die Verlagsbranche betrifft und der Eindruck hat sich immer wieder bestätigt. Das spornt mich an, der beste und fairste Verleger zu werden, sofern es in meinen Möglichkeiten liegt. ;-)

Romance Allinace: Zielgerichtete Werbung ist ein wichtiges Thema rund um eine Buchveröffentlichung. Was können Autoren tun, um bekannter zu werden und ihr Buch zu bewerben? Und gibt es so etwas wie einen Bestsellercode?
Simon Rhys Beck: Nein, ich würde behaupten, es gibt keinen Bestsellercode. Man kann sich natürlich grundsätzlich daran orientieren, was gerade „in“ oder gefragt ist. Da reicht ein Blick in die amazon Rankings … Aber das heißt noch lange nicht, dass man bei den Lesern landen kann. Grundsätzlich sollte man in den sozialen Netzwerken unterwegs sein und ein gutes Produkt abliefern.

Romance Alliance: Hast du ein Buch in deinem Programm, das dein besonderes Highlight war?
Simon Rhys Beck: Ein einzelnes Buch kann ich nicht herauspicken, aber 2016 sehr gut gefallen haben mir von Bettina Kiraly „Mein Herz schlägt in deinem Takt“ und die Fantasy Werke von Leann Porter (Die Sturmfalken von Olbian und Die Fährte der Wandler).

Romance Alliance: Ist es in den vergangenen Jahren schwerer geworden, schwule Literatur zu veröffentlichen? Gibt es auch negative Reaktionen auf dein Programm? Wie gehst du damit um?

Simon Rhys Beck: Es ist in den letzten Jahren viel einfacher geworden, schwule Literatur zu veröffentlichen. Es gibt viel mehr Leser, die auf das Genre aufmerksam geworden sind. Allerdings gibt es auch durch das Selfpublishing viel mehr Autoren, die veröffentlichen. Da wird man sehen ,wie sich der Markt weiterentwickelt.
Nein, ich habe bisher noch keine negativen Reaktionen auf mein Programm erlebt. Weder im geschäftlichen noch im privaten Bereich.

Romance Alliance: Wie sieht deine Zielgruppe aus? Stimmt es, dass Gayromance hauptsächlich von Frauen gelesen wird? Warum ist schwule Literatur so beliebt?
Simon Rhys Beck: Mein Zielgruppe ist 16+ und geschlechtsunbestimmt. Ich denke, im Romance-Bereich gibt es grundsätzlich mehr Frauen als Leser. Ich meine auch, dass Frauen grundsätzlich mehr (Romane) lesen als Männer, insofern ist ein Frauenüberhang da nicht besonders erstaunlich. Ich habe allerdings auch viele schwule Leser, die Bücher aus unserem Programm bestellen, daher arbeite ich gern mit den schwulen Buchhandlungen zusammen.
Warum schwule Literatur (speziell Liebesromane) bei Frauen so beliebt ist, kann sicher nicht in einem Satz beantwortet werden. Aber zwei hübsche Männer, die sich küssen – das ist für viele nicht nur exotisch, sondern auch sehr sexy. Und das ist die Quintessenz eines Liebesromans.

Vielen Dank für dieses informative Interview, lieber Simon!

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